Ein epischer Zeitgeist

Über den größten Menhir in Mitteleuropa

 

Gollenstein - Größter Menhir in Mitteleuropa


Bei Blieskastel im Saarland befindet sich ein 4000 Jahre alter, aus hellen Sandstein bestehender Menhir, dieser mit seinen 6,58 Metern Höhe zum größten seiner Art in Mitteleuropa zählt, und Gollenstein genannt wird.


Menhir ist eine Nieder-bretonische Bezeichnung für einen langen Stein (maen = Stein, hir = lang). In der prähistorischen Archäologie bezeichnet das Wort einen länglichen unbearbeiteten Einzelstein, der aufrecht gestellt wurde.


Seine Namensherkunft läßt sich vom Lateinischen „colus“ einen Spinnrocken, vom Keltischen "Gal" das soviel wie "laut singen", und auf Feierlichkeiten um den Menhir herum hinweist, oder vom Gälischen „golon“, was „aufrechter Stein“ bedeutet herleiten.


Nach einer Überlieferung von 1553 wurde der Menhir „Guldenstein“ genannt. Auf einer Landkarte des Amtes Zweibrücken von 1564 war er als „Güldenstein“ und „Pirmanstein“ eingezeichnet. Nach Hans Cappel (ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes) könnte der Name von dem früheren Bewuchs des Berges mit gelbem/güldenen Ginster stammen. Der Ortsnamensforscher Hermann Albert Prietze führt den Namen auf „Goldenstein“ zurück. „Gold“ setzt er mit Opfer gleich, da in der Bronzezeit Goldgegenstände geopfert wurden und das aus dem Wort „Gold“ entstandene „Geld“ in dem um 800 n. Chr. geschriebenen Heliand das Opfer ist. Demnach hat der Gollenstein seinen Namen, da er Teil einer Opferstätte war.


Als eines der ältesten Kulturdenkmäler Deutschlands und zum Wahrzeichen der Barockstadt Blieskastel geworden, findet man ihn auf dem Blieskasteler Berg. Nach der Lage des Berges zu urteilen, bedurfte es einer gewaltigen Anstrengung, gerade weil er aus ortsfremdem Gestein besteht, um den Stein genau dort aufzurichten. Worauf sich schließen läßt, das es für die damaligen Menschen nicht nur bedeutsam sondern auch kulturell wichtig war im Leben. Deshalb wird er mit einem prähistorischen Ahnenkult in Verbindung gebracht.


Im Ahnenkult, auch Ahnenverehrung oder Manismus genannt (lat.manes‚Geister der Verstorbenen‘) werden tote Vorfahren verehrt. Die Ahnen stehen entweder in direkter familiärer Linie oder waren Oberhaupt einer Gruppe. Im Ahnenkult wird immer mit einem Opfer praktiziert, das aus einem Trank-, Speise-, Brand- oder Kleidungsopfer bestehen kann, in frühsten Zeiten auch das eines Menschenopfer. Die Verwandtschaftsgruppe umfasst sowohl die Mitglieder im Diesseits als auch im Jenseits. Zeremonien sollten das Gefühl verstärken, dass der Ahn mit und bei seinen Nachkommen lebt. Fast jedes Volk kennt eine oder mehrere Möglichkeiten, den Ahn symbolisch sichtbar zu machen (z. B. Ahnenfigur, Ahnenmasken etc.) oder auch die Wiedergeburt – auch durch Namensgebung – in alternierenden Generationen (Großvater im Enkel). Der Ahnenkult ist zwar ein weltweites Phänomen, er ist jedoch vor allem bei sesshaften, agrarischen Völkern anzutreffen; bei Wildbeutern wurde er weniger festgestellt. Beim Ahnenkult werden auch Vorfahren verehrt, die schon lange tot sind, sowie mythische Ahnen, die als Gründer einer Abstammungsgruppe gelten. Das Opfer für die Ahnen ist eine regelmäßige Verpflichtung.


Ob dieser Sandsteinkoloss mit dem Himmel in Verbindung stand und eine symbolische Säule zwischen Erde und Himmel darstellte oder gar zu einem Sonnenkult gehörte, bei diesem man sich an der Sonne orientierte, sowie als Lebensquelle verehrte, das weiß man nicht.


Gezielte Steinsetzungen waren nicht nur Kultstätten sondern meist Entscheidungsstätten zugleich, daher könnte es sich somit auch um einen Gerichtsstein gehandelt haben, welcher die Grenze der zustehenden Gerichtsbarkeit bezeichnet, für diese man häufig Hügel (Grabhügel) und Plätze mit markanten Landmarken, aus Steinen oder Bäumen auswählte, wenn diese zentral lagen und gut zu finden waren. Wobei man als Bäume bevorzugt die Linden (Gerichtslinde) und Eichen auswählte.


Dort wurden dann Versammlung abgehalten über politische Beratung bis hinzu Gerichtsverhandlungen,solche Orte nannte man Thingplatz oder Thingstätte,welche sich immer unter freiem Himmel befanden.


Das Wort Thing bedeutet seit ältester Zeit „Volks- und Gerichtsversammlung“, nach dem alten germanischen Recht, und fand unter Vorsitz des Königs bzw. des Stammes- oder Sippenoberhaupts stets am Tage statt (daher Tagung). Es dauerte drei Tage. Die Thingordnung regelte, wann und wo die Versammlungen stattfanden, wer teilnehmen durfte und weitere Einzelheiten. Der altgermanische Gott Tyr galt als Schutzherr des Things. Mit der Eröffnung der Versammlung wurde der Thingfriede ausgerufen. Allgemein waren zu der Versammlung alle freien Männer eines bestimmten Gebietes verpflichtet, auch wenn die Reise zur Thingstätte Zeit und Geld kostete. Frauen, Kinder, Fremde oder Sklaven waren nicht zugelassen. Das Geltungsgebiet des Things fiel zusammen mit dem Stammesgebiet. War der Stamm sehr groß, wurde das Gebiet unterteilt und jeder Teil hatte sein eigenes Thing. Man traf sich dann nur noch mit allen Teilen zu Angelegenheiten, die den gesamten Stamm angingen (z. B. bei einer Entscheidung um Krieg oder Frieden). Termine der Versammlungen waren genau festgelegt und an den Mondphasen orientiert. Man traf sich regelmäßig. Je nach Größe des Stammes konnten die Abstände einen Monat oder sogar drei Jahre auseinander liegen. Zu besonderen Ereignissen wie dem Kriegsfall traf man sich auch außerplanmäßig. Den Vorsitz über die Versammlung führte entweder ein Priester oder im Kriegsfalle der Heerführer (Herzog). Später führten auch Könige oder Fürsten den Vorsitz.


Durch eine eingemeißtelte Heiligennische für christliche Kultgegenstände wurde diesem Stein im Mittelalter eine christliche Bedeutung gegeben und avangierte ihn zu einer Wallfahrtsstätte über Jahhunderte hinweg. Wodurch der ursprüngliche "heidnische" Sinn mit der Zeit erlosch, wie jene noch kaum sichtbaren Fragmente einer menschlichen Figur unterhalb der erwähnten Nische, diese reliefartig eingehauen eine vorgeschichtliche Götterfigur zeigen, die an Taranis erinnert, dem keltischen Gott des Himmels, des Wetters und des Donners.


Dem römischen Dichter Lucan zufolge, welcher ein Neffe des Philosophen Seneca war, stand Taranis mit Teutates und Esus an der Spitze der keltischen Götterwelt. Während Teutates im allgemein als Stammesgott (Touto-tati-s „Vater des Stammes/Volkes“) gesehen wird, sowie als väterlicher Führer in Krieg und Frieden, galt Esus (auch Hesus, Aesus) als ein Gott des Handels und der Wege, selten wurde dieser ein Kriegsgott.


Die Erwähnungen über keltische Gottheiten bei Lucan, dienten lediglich für Umschreibung der Ligurer, einer vorindoeuropäischen Bevölkerung, die zu den alteuropäischen Völkern zählt, mit Zugehörigkeit zu Feuchtboden- bzw. Pfahlbausiedlungen, genannt der Terramare-Kultur einer bronzezeitlichen Kultur aus Oberitalien, dessen Siedlungsformen rund um die Alpen bereits ab 4250 v. Chr.belegt sind. Feuchtbodensiedlungen sind Ansammlungen von Holzbauten auf dauerfeuchtem oder intermittierendem Untergrund wie er sich an Seeufern und Moorgebieten findet. Andererseits auch die der Gallier (übergreifende Bezeichnung für keltische Stämme auf dem Territorium Galliens, das dem heutigen Frankreich, Belgien und der Schweiz entspricht) wobei besonders die Grausamkeiten und deren Wildheit von Kulten hervor gehoben wird.


In der Commenta Bernensia eine Sammlung von Lucan-Glossen die in karolingischer Zeit für den Schulunterricht aufbereitet wurden, und in einer Berner Handschrift des 10. Jahrhunderts überliefert sind, entsprach Taranis dem Unterweltgott Dis Pater (Pluto) und Opfer wurden ihm gebracht, indem Menschen in einer Mulde oder einem Trog aus Holz ("in alveo ligneo") verbrannt wurden. Nach der anderen war er der oberste Gott des Krieges und des Himmels, den anderen Göttern übergeordnet und mit Jupiter gleichgesetzt, und ihm wurden in älterer Zeit menschliche Köpfe, später aber Vieh als Opfer dargebracht. Jene in der Berner Glosse erwähnte Verbrennung von Menschen hat man mit allgemeineren, nicht speziell auf Taranis bezogenen Nachrichten bei Diodor, Strabon (beide antike griech.Geschichtsschreiber) und Poseidonis ( griech.Philosoph) in Verbindung gebracht, wonach Menschen in großen Weidengeflechten verbrannt wurden. Bei Diodor und Poseidonios ist auch von Brandopfern von Tieren (laut Diodor im Krieg erbeutete Tiere) die Rede. Die geopferten Menschen waren nach Angaben Diodors verurteilte Verbrecher, die auch mit Pfeilen erschossen oder aufgepfählt wurden (d.h., die Verurteilten wurden nicht lebendig verbrannt, sondern nach ihrer Hinrichtung dem Opferfeuer übergeben).


Nach der Kriegserklärung von Frankreich und Großbritannien an Deutschland am 3. September 1939, herrschte an der deutsch-französischen Grenze eine nur gelegentlich unterbrochene Waffenruhe.


Damit er nicht als Orientierung für die französische Artillerie im Zuge der Vorbereitung des Frankreich-Feldzuges 1939 hätte dienen können, und auch mehrere Bunkeranlagen des Westwalles in unmittelbarer Nähe gebaut wurden, versuchte die Deutsche Wehrmacht den Gollenstein umzulegen. Die Soldaten richteten dafür eine mit Stroh gefüllte Grube her, die jedoch zu kurz berechnet war. Beim Umlegen riss das Seil, und der Stein stürtzte, zerbrach dabei in vier große und einige kleine Teile.


Der Stein wurde 1951 mit Hilfe von Beton rekonstruiert und in seiner ursprünglichen Form wieder errichtet, jedoch einem Meter neben seinen ursprünglichen Platz. 2002 wurde der Gollenstein komplett eingerüstet und generalsaniert.