Dichter und Liedermacher

Der Zauber

Der Zauber

Flüsterndes Gemäuer im tanzenden Schattengewand feurig lodender Hölzer. Bleiche Angesichter voller Anmut, und Leiber der Begierde, die sich wie Schlangen winden auf alten Gestein. Dämonen die vom keuchenden Atem der Drachen, wie Sternschnuppen am kalten Firmament, vertrieben im Mondenschein, dem Nichts verfallen und sich erfüllend dem tiefen Tal hingeben, bevor der Morgennebel die schützende Fassade der Ruine berührt, das dort gebildete Moos mit Diamanten auslegt, und mit Schleiern bedeckt, dort gab man sich der Spiritualität des Ortes hin, von Magie eines zeremoniellen Meisters verfaßt, in andere Sphären schwindent. Die Knospen im Rosenhof, das Gebärgesträuch, alles erblühte unter versteckt ruhenden Echsen, zwischen den frei gewaschenen Mauernritzen, durch die Kraft des Regens, im Wandel der Jahrhunderte, deren sicherer Hort des Tages zum Sonnenbaden verlassen wurde.

Im warmen Schein des Himmelskörpers traf man sie an, bei Zeiten als Schmetterlinge mit buntem Kleid, sich von Blüten erhoben als Begleiter des Weges, der sein Ziel in dieser Burgruine fand, um sich auf einer anderen wieder nieder zulassen. Einst in Brand gesetzt und halb zerstört von heiligen Bruderschaften, gebar sie sich auf dem höchstem Punkte über die Landschaft blickend.

Der Wind welcher sie berührte, brachte vergangenes hervor, erzählte von Erhabenheit, Schutz durch Geborgenheit, sowie vom schmerzvollstem Leid. Das dunkle Innern war unbehaglich von kühlender Feuchtigkeit durchzogen, übte dennoch im Schmutz getaucht, seinen unerklärlichen Reiz aus, dem folgend ein Anliegen lag. Kleine und große Gemächer mit gewölbten Decken taten sich auf, welche erahnen ließen was diese einst genutz einmal waren, dazu gehörte ein geklärter Blick über die vermoderte Einrichtung. Wobei in einem wohl ein Ritual abgebrochen ward, beim Angriff auf  diese alte Festung, denn dort gebar sich ein steinender Altar der noch geschmückt zu sein schien.

Dem geistigem Auge folgte ein Schauer bis tief ins Gebein, über einem siebenarmigen Kerzenleuchter hinweg, über Räucherwerk sichtend gleitend, lag eine verdorrte Rose umringt von allerlei Schutzsymbolen, welche imaginiert angeordnet zu sein schien. Der Klang einer weiblichen Stimme drang empor, flehte schemenhaft als Erscheinung, das Werk eines vergessenen Druiden zu vollführen, aus jener Epoche in dieser sie ungläubig gerichtet worden war.

Die Sinne schwanden wie in Trance vollführend, der Körper versankt geschwächt zu Boden. Grünlicher Wachs tropfte am kupfernen Halter der leuchtenden Kerzen herab, erwachend im gedämpften Erleuchtnis, fiel Schatten um das dornige Gewächs, und blutfarbendes Rot umragte nun den Kelch, in anmutiger Schönheit, dieser sich wieder mit lebendig süßen Nektar schmückte. Eine Begehrtheit richtete sich niederlassend, deren Augglanz die Elemente der Erde enthielten, zu den vermeintlichen Zauberlehrling herab, anschauend verlor sich dabei die Zeit, durch pochende Venen im Keim zur Endlosigkeit. Aufhelfend stieg man zu nun den sieben Edelsteinen, welche als funkelnd helle Sterne die Lüfte hoch und höher zeichneten, zu dem Gebilde des Großen Bären, dem Nachthimmel entgegen.

Der Mond setzte Poetisch das Erschaffene in Szenarie, mit betuchtem Haar das sich Rabenschwarz auf weisse Schultern ablegte, und den begehrlichen Körper hinter Kleidung zu versteckten suchte, die Vagabundenhaft den Balkan erahnen ließ, während silbener Schmuck das Dekolette verzierte, dieser hinterdem abgesetzten Saum des einst kostbaren Stoffes verschwand, während die Beine größtenteils unbekleidet sichtbar waren, schlank und bleich.

Einst mit diesem Fluch belegt, der ihre Schönheit zum Welken verdammt, berührten die Tränen aus ihren Augen, deren Klagen ohne Worte ein Himmelreich bauten, das zum Küssen verführte, so ehrlich und rein. Es verlangte die Zeit, ein Augenblick der treibt, das man brach den Bann, bevor die Herzen einander verblassen, zu einem Märchen werden, aus erzählter Hand.

Berauschend wurde der Beifall einander berührender Hände, über zitternde Haut hinweg, auf Anhöhen wandernd, dem Tale eines quellenden Sees entgegen. Münder beschenkten sich keiner Worte mehr, sondern schmolzen zu einem Geflüster dahin, getragen von aufbäumenden Leibern, sich ineinander vereinender Schöße. Mit der Leichtigkeit des Seins, tauchte man umschlungen ein, hielt sich über den Wogen, und atmete lüsternd ein. Man verschmolz zu einem Mischwesen, vollkommen Zeit und Schamlos.

Ein Ruf von Eulen verhallte umgeben im Wald der Nadellhölzer, verblasste wie das Licht des Mondes, und verfiel wie der Glanz des Sternenmeeres dem Nichts, auf den Pfaden der Zungen, über eroberte Landen, die entkleidet ohne Schutz, dem Gegner Schwachstellen offenbarten. Anschleichender Nebel über das Tal kommend, und kalter Wind trocknete die verschwitzten Leiber an, und befeuchteten sie wieder, die sich der Lust aus Dankbarkeit hingaben, während Fledermäuse sich zur nächtlichen Jagd aufmachten, in der Ferne ganze Schwärme von Grillen zirpent zu hören waren.

Als der Himmel sich zunehmend verdunkelte, eine Gewitterfront aufzog, und einzelne Blitze die liebenden Leiber erhellten, bäumten diese sich zum letzten Mal auf, und aufkommender Regen wusch die Sünde von Ihnen. Das Leben in Einsamkeit, las man sich gegenseitig von den Augen, beim bekleiden, dem Abschied nahe kommend, diese manchem Leben diente, um zur Entfaltung zu gelangen.

Letztmalig sah man sich schweigend an, keiner von Ihnen wurde jemals mehr auch nur von kreisenden Falken gesichtet.