Erzählungen

Ausgewählte Erzählungen teils mit Illustrationen von mir
 
Das schwarze Einhorn

Jenseits der geglaubten Gefilden in den träumerischen Landschaften horizontaler Fantasien, gebar einst das Einhorn als eines der ersten, ein schwarz gefärbtes Fohlen. Es fand nur Verachtung unter den Fabelwesen, denn Schatten kam auf ihr Ansehen, keine Blicke berührten mehr diese einst so stolzen Wesen.

Nachdem man es bald verjagte, irrte das Geächtete im Seelenwald umher, und fand Schutz hinter dem Stamme einer alten Eiche deren Blätter vom Wind getrieben, auf die Oberfläche eines Sees regneten. Als wenig später die Gefahr nicht mehr spürbar war, schritt es zum Ufer, um dort zu tränken. Dabei sah es warum keine der zauberhaften Geschöpfe eine Beachtung fand, und das Wasser zauberte Ringe, auf dem gebrochenen Spiegel, mit jeden Tropfen mehr, die aus den geschwollenen Augen fließend den Kopf verließen.

 

 
Das Bild verschwand treibend davon wie die Hoffnung, selbst das Wasser mochte es nicht, und innerlich gebrochen starb es mit der Geburt, denn es fluchte das Leben. Im Gedanken richteten richteten die Ohren sich auf zum horchen, und wurden daraufhin angelegt, weil eine Witterung zu spüren war. Aus dem tiefen See kam etwas schemenhaft empor, weitete die Arme aus und zeigte keine Vorbehalte. Eine weibliche Gestalt zeichnete sich Gesichtslos vor dem Fabeltier ab, und berührte es mit gestreckter Hand seicht an den Nüstern.

Die Frau erzählte davon einmal zur Blütezeit ihrer Schönheit, ein der Mutter ähnliches Tier begegnet zu sein. Als der damalige Tag zur Nacht überging, fand sie es schlafend vor der Eiche im Gras liegen. Kniend kämmten die Finger die prächtige Mähne und das Horn fühlte sich einzigartig an. Mit dem Drang des stolzen Moment es in Hände zu fassen verblasste die Erfurcht. Voller Eifer wurde das Geschöpf entehrt und deren Fabel geschändet, bis es erwachte.

Der Schrecken überragte das Erlebte und die noch haltenden Hände verletzten sich am Horn, an diesem Blut haftete, das langsam zerlaufend, den Kopf der Stute benetzte. In Aufruhr ergriff es die Flucht nichts ahnend wohin, das Elixier eines anderen Lebens, ließ keinen Blick gewähren.
Nachdem es ertrank kehrte Ruhe ein und der Mond hellte die Dramaturgie. Dieser sprach einer Legende nach, das Geschehene in eine Wandlung zu führen. Glaubend dem gesagten, beschenkte sie das entmutigte Huftier der Sagensphäre, eindringlich mit warmen Odem. Danach verstarb ihr Leben aus der Zwischenwelt und mit dem gehörnten Geschöpf, begann eine Metamorphose. Etwas zart gebrechliches und gebleichter Haut mit schwarzem Haar, welches sich um schmale Schultern legte, offenbarte sich nun eines jeden Angesichts.

Der Zauber

Flüsterndes Gemäuer im tanzenden Schattengewand feurig lodender Hölzer. Bleiche Angesichter voller Anmut, und Leiber der Begierde die sich wie Schlangen winden auf alten Gestein. Wie Dämonen die vom keuchenden Atem der Drachen wie Sternschnuppen am kalten Firmament im Mondenschein dem Nichts verfallen, und sich erfüllend dem tiefen Tal hingeben, bevor der Morgennebel die schützende Fassade der Ruine berührt, das dort gebildete Moos mit Diamanten auslegt, und mit Schleiern bedeckt, gab man sich der Spiritualität des Ortes hin, von der Magie eines zeremoniellen Meisters verfaßt, in andere Sphären schwindent.

Die Knospen im Rosenhof, das Gebärgesträuch, alles erblühte unter versteckt ruhenden Echsen, zwischen den frei gewaschenen Mauernritzen, durch die Kraft des Regens, im Wandel der Jahrhunderte, deren sicherer Hort am Tage zum Sonnenbaden verlassen wurde. Im warmen Schein des Himmelskörpers traf man sie dann an, bei Zeiten wenn Schmetterlinge in bunten Kleid, sich von Blüten erheben als Begleiter des Weges, der sein Ziel mit dieser Burgruine fand, um sich dann auf anderen wieder niederzulassen.

Einst in Brand gesetzt und halb zerstört von heiligen Bruderschaften, gebar sie sich auf dem höchstem Punkte über die Landschaft blickend. Der Wind welcher sie berührte brachte vergangenes hervor, erzählte von Erhabenheit, Schutz durch Geborgenheit, sowie vom schmerzvollstem Leid. Das dunkle Innern war unbehaglich von kühlender Feuchtigkeit durchzogen, übte dennoch im Schmutz getaucht, seinen unerklärlichen Reiz aus, dem folgend ein Anliegen lag.


 
Kleine und große Gemächer mit gewölbten Decken taten sich auf, welche erahnen ließen was diese einst genutz einmal waren, dazu gehörte nur ein geklärter Blick über die vermoderte Einrichtung. Wobei in einem wohl ein Ritual abgebrochen ward, beim Angriff auf diese alte Festung, denn dort gebar sich ein steinender Altar der noch geschmückt zu sein schien.

Über einen siebenarmigen Kerzenleuchter hinweg, über Räucherwerk sichtend gleitend, lag eine verdorrte Rose umringt von allerlei Schutzsymbolen, welche imaginiert angeordnet zu sein schien, dann folgte dem geistigem Auge ein Schauer bis tief ins Gebein, da der Klang einer weiblichen Stimme empor drang, welche schemenhaft als Erscheinung flehte, das Werk eines vergessenen Druiden aus jener Epoche in dieser sie ungläubig gerichtet worden war zu vollführen.

Ausführend schwanden die Sinne wie in Trance, und der Körper versankt danach geschwächt zu Boden. Grünlicher Wachs tropfte am kupfernen Halter der leuchtenden Kerzen herab, erwachend im gedämpften Erleuchtnis, und Schatten fielen auf das dornige Gewächs, deren Kelch in anmutiger Schönheit, sich wieder blutrot mit lebendig süßen Nektar schmückte.

Eine Begehrtheit richtete sich niederlassend, deren Augglanz die Elemente der Erde enthielten, zu den vermeintlichen Zauberlehrling herab, anschauend verlor sich dabei die Zeit, durch pochende Venen im Keim zur Endlosigkeit, und aufhelfend stieg man zu zweit den sieben Edelsteinen entgegen, welche als funkelnd helle Sterne die Lüfte hoch und höher zeichneten, zu einem Gebilde des Großen Bären dem Nachthimmel entgegen.

Der Mond setzte poetisch das wieder lebendig Erschaffene in Szenarie, das mit betuchtem Haar welches sich Rabenschwarz auf weisse Schultern ablegte, während vagabundenhafte Kleidung einen begehrlichen Körper vergeblich zu verhüllen suchte, eine Schönheit aus dem Balkan erahnen ließ, an dieser silbener Schmuck das Dekolette verzierte, dieser hinterdem abgesetzten Saum des wohl einst kostbaren Stoffes verschwand, der die Beine größtenteils unbekleidet sichtbar ließ, bleich und schlank.

Einst mit diesem Fluch belegt, der ihre Schönheit zum Welken verdammte, berührten einen die Tränen aus ihren Augen, deren Klagen ohne Worte ein Himmelreich bauten, das zum Küssen verführte, so ehrlich und rein. Es verlangte die Zeit, der Augenblick das man berauschend im Beifall einander berührender Hände hinweg, über zitternde Haut auf Anhöhen wandernd, dem Tale des quellenden Sees entgegenschritt, ohne das sich Münder noch Worte beschenken, sondern zu einem Geflüster verkommen, das getragen wurde von aufbäumenden Leibern, sich ineinander vereinender Schöße.

Mit der Leichtigkeit des Seins tauchte man umschlungen ein, hielt sich über den Wogen, und atmete lüsternd dabei, und verschmolz zu einem Mischwesen, vollkommen Zeit und Schamlos. Rufe von Eulen verhallten dabei im umgeben Wald aus Nadellhölzern, verblassten wie das Licht des Mondes, und fielen wie der Glanz des Sternenmeeres ins Nichts, auf den Pfaden der Zungen, über eroberte Landen, die entkleidet ohne Schutz, dem Gegner Schwachstellen offenbarten.

Anschleichender Nebel kam bedeckend über das Tal hinweg, und kalter Wind trocknete die verschwitzten Leiber an, und befeuchteten sie wieder, die sich der Lust aus Dankbarkeit hingaben, während Fledermäuse sich zur nächtlichen Jagd aufmachten, und in der Ferne ganze Schwärme von Grillen zirpent zu verlauten waren.

Als der Himmel sich zunehmend verdunkelte, durch eine Gewitterfront die aufzog, deren einzelne Blitze die liebenden Leiber erhellten, bäumten sich diese zum letzten Male auf, und aufkommender Regen wusch die Sünde von Ihnen. Dann brach der Bann, die Begierde aufeinander verblasste, und ein Leben in Einsamkeit welches der Entfaltung dient, sahen sich beide gegenseitig unter Schweigen beim bekleiden an.

Man würdigte sich zum Abschied noch eines letzten Blickes, danach hatte niemand selbst die hier kreisenden Falken sie jemals mehr gesichtet, und die Geschichte wurde zu einem Märchen aus erzählter Hand.